Portrait Sr. Nicole

Meine Berufung hat ganz frühe Wurzeln

Als ich zwei Jahre alt war, starb mein Vater.
"Gott hat ihn in den Himmel genommen", so sagten die Erwachsenen. Für mich als Kind war das schwer zu verstehen! Auf wessen Knien darf ich jetzt reiten? Wer fährt jetzt mit mir mit dem Motorrad aus? Eifersucht - Klage - Vorwurf - und, klipp und klar die Forderung an Gott: "Du hast mir meinen Vater genommen, nun musst Du mein Vater sein!" Und ich stellte den lieben Gott, nun mein neuer Vater, bei meinen kindlichen Nöten und Sorgen an. Es wurde mir immer geholfen, so dass ich Ihm mit sieben Jahren als Dank mein Leben anbot. Ich hatte einen Freund gewonnen, der mir sehr kostbar war.

Unschlüssigkeit

Als ich in den oberen Primarklassen war, winkten die Knaben. Ich winkte zurück.
Ob das damals nicht nur ein allzu kindliches Versprechen gewesen war, zu wenig überlegt?
War es überhaupt gültig und bindend? -
Ich wollte eigene Kinder! -
Und: ich wollte Gott!
Ich verbarg mein Inneres; ich wollte nicht als "fromm" gelten. Also zuerst mal ins Ausland, dann vielleicht ...
"Stage" in der Familie eines jüdischen Immobilienhändlers. Hier beeindruckte mich der Synagogenbesuch des Familienvaters, mehrere Male pro Tag. Bibel lehren und lernen, achten, darüber austauschen ... Wenn das ein Mann tat, der zwar den gleichen Gott hat, aber zu einer "andern Religion" gehört, musste ich dann als Christin nicht erst recht ...?
Aber erneuter Rückzieher: Zuerst noch die Lehre als Pflegefachfrau, dann vielleicht ... Einerseits fühlte ich mich zu Gott hingezogen, andrerseits feilschte ich weiter. Wenn ich innerlich Ja sagte, hatte ich grossen Frieden in mir. Sobald ich einen Rückzug machte, war es mit dem Frieden aus. Ich konnte nicht mehr lernen, auch meine Lieblingsbeschäftigungen brachten keine Ablenkung.

Endlich

Nach langem Hin und Her, das mehr ein Ziehen und Locken von Seiner Seite her war, willigte ich ein: Ich brach meine Lehrzeit ab und ging ins Kloster, um nach dem Noviziat die Lehre fortzusetzen.
Seither gehe ich meinen Weg noch bewusster zu zweit. 

ER IST MEIN SEIN, DOCH ICH BIN NICHT DAS SEINE,
ER IST MEIN SEIN, UND IN IHM BIN ICH, WAS ICH BIN. 

Sr. Nicole Glenz

(Stand Juni 2004)

Nachtrag im Januar 2017: Sr. Nicole wwar von 2010 bis 2016 Generaloberin aller Briger Ursulinen. Seit 2016 ist sie Provinzoberin der Provinz Schweiz.

»»»